Gloryful
The Warrior's Code

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Anderen Bands werfe ich gelegentlich vor, nicht eigenständig genug zu sein. Bei Gloryful könnte ich das auch tun, tue es aber nicht. Warum? Weil die Band ihre Einflüsse nicht nur ohne Umschweife mit jedem Ton deutlich macht, sondern auch nicht mal behauptet, hier das Rad neu zu erfinden. Die Klassiker des True und Heavy Metal klingen wirklich bei allen Songs durch. Und natürlich werden Klischees bedient bis es fast nicht mehr geht.
Allein schon das von einer Kriegerhorde skandierte "Hail, Hail Gloryful's Tale" im ersten regulären Song ist für Powermetalverachter eine Zumutung. Ach wäre ich doch nur Power- oder Heavy-Fan bzw. würde ich doch nur zugeben können, dass ich es eigentlich doch bin! Damit nicht genug. Die Lyrics und Melodien lassen keine Fragen offen und so bedient man sich bei Iron Maiden, Manowar (vor allem lyrisch "Wherever we ride, it's Metal we bring!" und Ähnliches), HammerFall und Helloween.
Die eisernen Jungfrauen werden fast schon dreist zitiert. Hört euch den Titeltrack an. Wer da beim Wohohoho-Chor nicht direkt an den Wicker Man denkt, der hat echt den Metal verpennt. Das "könnte" man mit viel Wohlwollen noch als Zufall durchgehen lassen. Aber dann beginnt direkt im Anschluss das folgende, 'Breaking Destiny'. Und womit fängt der Song an? Mit einer astreinen Kopie vom Eröffnungsriff des gleichen Songs.. Also dem Eröffnungsriff vom Wicker Man.
Natürlich fehlt mit 'Chased In Fate' auch nicht die obligatorische Ballade und bei 'Evil Oath' erinnert der eine oder andere Scream von Obersympath Johnny LaBomba verdächtig an den Diamanten König.
Bei 'Fist Of Steel' wird uns klargemacht, dass sich der Metal für uns entschieden hat und nicht etwa andersrum ("Are you with me? WE ARE! .. You are not choosing Metal, Metal chooses you").
Dazu passt das klischeetriefende Artwork von Kris Verwimp. Eine Halbnackte Dame reitet auf einem Eisbären und kämpft gegen ein überdimensionales Staubtuch.. oder so. Schauder.. Was so garnicht in dieses ganze Klischeegeeier passen will, ist die Optik der Musikanten selber.
Der immer noch anhaltende (und furchbar überflüssige!) Retro-Trend wird hier aber irgendwie dennoch nicht so richtig bedient. Zum einen sagen die Musiker selber, dass sie mit dieser Scheibe ihrer großen Liebe -dem Metal- huldigen wollen und zum anderen klingen sie trotz der krassen Anleihen dennoch irgendwie frisch und vor allem: super motiviert. Hier wird kein Trend um des Trends Willen bedient. Hier wird das gemacht, auf das man gerade Bock hat. Vielleicht ist das alles auch nur Berechnung, hören tut man es jedenfalls nicht.
Technisch gibt es nichts, aber auch wirklich garnichts zu beanstanden. Die Gitarren klingen so typisch nach klassischem Metal, dass man fast vergessen könnte, dass ein Großteil der Musiker aus eher härteren Bands kommt. Die Vocals sind geil, klingen kein bisschen kitschig und sitzen bei jedem Ton da wo sie hingehören. Lyrisch geht es oft um den Metal selber. (Nur ein Beispiel neben den bereits genannten: 'Heavy Metal - More Than Meets The Eye')
Warum werte ich die Scheibe nicht wegen den oben genannten Punkten ab? Ganz einfach: Weil sie einfach Spaß macht. (Ich hab beim ersten Hören direkt mal meine Autobahnausfahrt um sehr entspannte zehn Kilometer verpennt, weil ich so gefangen war.)
Ich lehne mich hier mal aus dem Fenster und sage: Diese Band ist in allerspätestens drei Jahren ganz, ganz weit oben und ihr werdet sie auf den Billings der großen Open Airs sehen. Im Ernst: DAS ist genau das, was man auf Festivals hören und sehen will. Hier wächst was Großes!
Bei dieser Platte tropft das Klischee zwar aus jeder Ritze aber die Band steht dazu. Manowarriors, Hammerfools und Iron Maniacs sollten definitiv keine Sekunde zögern und sich das Ding sofort beschaffen. Und mit 'sofort' meine ich JETZT!
Ich ziehe nur einen einzigen Punkt dafür ab, dass man für die Höchstpunktzahl das Rad dann doch neu erfinden muss. Ach scheiße.. Ich bin und bleibe True Metaller.. Da hat mich der Metal wohl auch gewählt.
9/10 Punkte
Gloryful: www.gloryful.net

Geschrieben von Hoschi am 06.06.2013

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