Axolotl
Keine weisen Worte

Artikelbild
Eternalconcert: Hi Dennis! Danke, dass du dir die Zeit nimmst mit mir über deine Band zu plaudern. Stell euch bitte vor.
Dennis: Hi Hoschi, wir sind Axolotl aus Gelsenkirchen, zwischen 20 und 22 Jahren alt und machen Old Schol Melodic Death Metal mit Thrash- und Black Metal Einflüssen. Ich denke, das beschreibt unser Gebolze am besten. Wir sind seit 2009 live zu sehen und spielen seit 2010 in der aktuellen Konstellation zusammen.
Eternalconcert: Ihr habt vor knapp einem halben Jahr ein Album rausgebracht. Erzähl mal was über "Teutonic Invaders".
Dennis: Teutonic Invaders ist unser Debütalbum. Aufgenommen haben wir es in der Anubis Klangwerkstatt in Bochum bzw. Dortmund. Inhaltlich werden verschiedene Themen aus allen möglichen Bereichen behandelt, es ist also kein Konzeptalbum oder Ähnliches. Musikalisch kann man die Scheibe eher als Melo Death ohne moderne Elemente - also keine cleanen Vocals, keine Keyboards, keine Breakdowns etc. - bezeichnen. Ich denke, dass die insgesamt elf Tracks einen ganz guten Gesamteindruck unserer Musik widerspiegeln, wenn auch in den neuen Songs mehr Black und Thrash Einflüsse vorhanden sind als auf "Teutonic Invaders".
Eternalconcert: Kommen wir zu ein paar Äußerlichkeiten. Wer hat das Artwork gemalt und was sehen wir hier?
Dennis: Das Artwork kommt von Artwars Media Design. Das Cover zeigt eine Szene aus der Varusschlacht, wo gerade ein römischer Soldat von zwei germanischen Kriegern auf die Fresse bekommt. Das Ganze soll einen Bezug zum Namen des Titeltracks "Teutonic Invaders" herstellen. Außerdem siehts cool aus.
Eternalconcert: Hehe.. Ja, das stimmt. Aber weiter mit den Äußerlichkeiten. Euer Name bezeichnet ja ein recht interessantes Tier. Wie kommt man auf die Idee, sich nach einem im Larvenstadium verbleibenden Lurch zu benennen?
Dennis: Ursprünglich war das ganze als Jux gedacht und sollte überhaupt nicht der dauerhafte Bandname bleiben. Wir brauchten ehrlich gesagt nur irgendeinen Namen um uns für den Proberaum einzuschreiben und hatten kurz vorher besagten Lurch in einer GeoLino gesehen. Später haben wir dann herausgefunden, dass Axolotl übersetzt Wasserdämon bedeutet und das das Viech in der aztekischen Mythologie mit Xolotl, dem Gott des Untergangs und des Verderbens in Verbindung gebracht wurde. Da uns die Paradoxie zwischen diesen Geschichten und der äußeren Erscheinung des Tierchens gefiel und sich der Bandname bereits etabliert hatte, beschlossen wir auch weiterhin Axolotl zu bleiben.
Eternalconcert: Ja, das ist schon ein sehr abenteuerliches Vieh. Kommen wir zur letzten Äußerlichkeit: Euer Gitarrist Michael hat sich seine Gitarre und euer Logo stechen lassen. Das ist schon recht mutig. Findest du nicht?
Dennis: Ich finds eigentlich ganz in Ordnung, er hat sich das ja lange überlegt und anders als bei uns anderen vier hat die Band einen Großteil seiner Jugend ausgemacht. Michi kam mit.. ich glaube 16 zu uns. Da waren wir schon so um die 19.
Interviewpartner Dennis
Eternalconcert: Euer Logo ist so gestaltet, dass man es von vorne wie von hinten lesen kann. (Genau genommen kann man es um seine Mitte drehen. Red.) Nur so als Randnotiz. Wenn ich an Gelsenkirchen denke - und ich lebe in der Stadt - dann fällt mir immer auf, dass die Metalszene hier recht übersichtlich ist. Neben euch fallen mir spontan erstmal nur Gloryful als ernstzunehmende Band ein. Wie siehst du den Zustand der Szene in unserer (nicht ganz so) schönen Heimatstadt?
Dennis: Also ich kenne hier schon die eine oder andere weitere Band, die man sich durchaus geben kann und ich muss sagen, dass die Szene hier nicht so klein ist, wie man es im ersten Moment denken mag. Allerdings ist mir in den letzten Jahren aufgefallen, dass Gelsenkirchener Bands irgendwie keine wirklichen Connections zu weiteren Ruhrgebietsstätden haben. Ich weiß auch nicht woran das liegt, aber es ist schon komisch, dass uns hier in der Gelsenkirchener Undergroundszene so ziemlich jeder kennt und in z.B. Essen oder Bochum noch kein Schwein von uns gehört hat. Und das geht nicht nur uns so! Ich denke, es liegt hier an den Gelsenkirchener Bands auf sich aufmerksam zu machen, aber auch an den Bands und Veranstaltern von außerhalb nicht immer nur die selben, bekannten oder befreundeten Bands einzuladen. Mir fallen da spontan eine Menge Bands ein, die schon so oft zusammen gespielt haben, dass ich mich echt Fragen muss wie die sich noch riechen können. Ich denke, durch Projekte wie "Endzeit meets Underground" etc. könnte man durchaus ein Netzwerk aus lokalen Bands schaffen, wo auch Gelsenkirchen eine Rolle spielt. Es wäre meiner Meinung nach für beide Seiten wünschenswert, da für Bands von außerhalb sicher noch einige potentielle Fans in Gelsenkirchen rumlaufen und umgekehrt.
Eternalconcert: Ja, das wäre meine nächste Frage gewesen: Die Abschottung der kleinen Gelsenkirchener Szene. Da sollte man wirklich mal bei. Ich denke aber, dass man dich als einen der wenigen Brückenköpfe der Ruhrpottszene sehen kann. Wie siehst du den Zustand dieser Szene? Die leicht inzestuösen Tendenzen hast du ja schon angesprochen..
Dennis: Ich denke, dass die "leicht Inzestuösen Tendenzen" hier teilweise noch weitergehen. Die meisten Musiker haben mehr als eine Band, und die meisten Veranstalter sind auch in Bands aktiv. Da reicht es meistens, eine Band zu holen, und weil das ja alles so tolle Kumpels sind, darf dann jeder seine zweite Band mitbringen und schon ist das Lineup voll. Oft sieht man einfach nur den Flyer mit fertigem Lineup und denkt sich "Cool, da hätte ich auch gerne gespielt". Aber du spielst nirgendwo, weil dich keiner kennt, weil du spielst nirgendwo, weil dich keiner kennt.. Die gesamte Ruhrpottszene an sich ist im Vergleich mit anderen Teilen Deutschlands nach wie vor groß und mächtig und bringt auch kontinuierlich viele großartige Bands hervor. Vielleicht ist das aber auch gerade das Problem. Durch die Vielzahl an Bands, die wie Popcorn aus jedem Bunker purzeln ist die Szene hierzulande einfach übersättigt. Dazu sei gesagt, dass das technische und qualitative Niveau der meisten Bands relativ hoch ist. Oftmals sieht man, dass der Opener um 18:00 Uhr im Ruhrpott-Jugendheim um die Ecke in anderen Teilen des Landes vermutlich das Beste wäre, was dort in den letzten zehn Jahren aus der Scheune gekrochen kam. Aber durch die enorme Anzahl an -guten- Bands hier im Ruhrgebiet steht sich die Szene manchmal selber im weg. Wenn es pro Wochenende drei bis fünf Konzerte gibt, zu denen man hingehen könnte, dann wird irgendwann die Qualität der Musik durch die Quantität entwertet. Da ist es auch ganz normal, dass sich in jeder Stadt eine eigene kleine Szene abzeichnet. Warum sollte man auch bis nach Bottrop fahren, wenn man 300 Meter weiter auch gute Musik hören kann? Problematisch ist nur, dass immer mehr Bands nachkommen als sich Bands auflösen und so nimmt die "Bandüberschwemmung" immer extremere Züge an. Und durch die ganzen Kleinveranstaltungen, Jugendkulturvereine etc. kommt auch jede einzelne Band auf die Bühne. Eine art "Gesundschrumpfung" der Szene wird es wohl in nächster Zeit nicht geben, wobei ich nicht der Meinung bin, dass das der richtige Lösungsansatz wäre.
Eternalconcert: Also Fluch und Segen zugleich für Bands wie euch?
Dennis: Segen für junge Bands - Fluch für etablierte!
Eternalconcert: Wie sieht es momentan an der Live-Front aus? Stehen Gigs an?
Dennis: Nachdem wir recht viele Konzerte hintereinander gespielt hatten, steht nun erstmal eine kurze Sommerpause an. Das nächste Konzert ist am 9. November mit Rezet, Messerschmitt, Hammerhead und The Trvegrinders. Ich denke aber, dass sich vorher noch was ergeben wird, wir wollen euch und uns ja nicht so lange warten lassen bis es wieder rund geht.
Eternalconcert: Kommen wir nochmal zur Musik zurück. Das neue Album ist raus. Plant ihr schon das nächste und wann können wir damit rechnen?
Dennis: Das nächste Album ist in Planung, wir schreiben auch schon fleißig an neuem Material. Wir planen Anfang 2014 erneut ins Studio zu gehen, wollen uns aber noch nicht genau festlegen. Eventuell hat ja auch ein Record Label Interesse, uns bei der nächsten Scheibe zu unterstützen - wir werden sehen.
Eternalconcert: Ich wünsche euch auf jeden Fall ganz viel Erfolg. Danke für das Gespräch! Möchtest du noch jemanden grüßen oder weise Worte loswerden?
Dennis: Ich danke dir! Ich grüße meine Bandmitglieder und hoffe, dass ich hier nicht all zu viel Scheiße erzählt habe, sonst werde ich von denen verhauen. Weise Worte sind leider nicht so ganz mein Stil, aber du weißt ja, dass ich kein Mann vieler Worte bin. In diesem Sinne: Lass knacken!
Axolotl: www.facebook.com/axolotlofficial

Fragen von Hoschi am 24.07.2013
Save social plugin replacer

Mehr zu Axolotl

Review: Voices of Luna, 24.03.2015
Live-Review: Live im Blackend, 20.06.2014
News: Aufnahmen gestartet, 28.05.2014
News: Back from the dead, 23.04.2014
Review: Teutonic Invaders, 17.07.2013
Impressum - Datenschutz - EC-Team
Random image