Hellgun
Soul for Sale

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In der Tat scheint der Langspieler schon mit den ersten Tönen des Titeltracks zu halten, was die Band verspricht: Schnörkelloser Rock. Dabei heißt schnörkellos in keinem Fall riffarm oder gar langweilig. Es handelt sich vielmehr um ziemlich straighte, oft im Blues verwurzelte Rockmusik (unbedingt „Good Morning Miss Sexy“ anhören), die sich auf das wesentliche beschränkt, was gute Musik primär ausmacht. Auch die Stimme von Frontschreihals Michel Hehmann scheint wie gemacht für diesen rotzigen Rock ‘N Roll wie ihn zum Beispiel auch Motörhead zuweilen spielen, ohne dabei unbedingt stets Bleifuß zu fahren. Vielleicht liegt der Stahlmichel stimmlich betrachtet auch noch etwas näher an Mr. Lordi, in jedem Fall irgendwo dazwischen.
Aber Hellgun dabei nur auf Lemmy’s Triumvirat zu beschränken würde dem raubeinigen Quartett nicht ganz gerecht werden. Der bluesige Groove, der schon die australische Rocklegende AC/DC so unverwechselbar machte, wohnt auch „Soul for Sale“ mit jeder Faser inne. „Cheap Champagne“ ist das Paradebeispiel eines Songs aus dem Hause Young, wobei man, ob des Titels, ebenfalls auf die Landsleute von Airbourne schielen darf. Wer hier rum heult, dass die Texte doch bitte etwas anspruchsvoller sein dürfen, kann sich gerne mit einem Kamillentee die Opeth Diskographie reinziehen. Ich mach mir lieber ein Bier auf und gröle mit emporgestreckter Faust im Refrain „Sexy Ladies …“ mit.
Der Billigschaumwein, der allerdings so gut goutiert wie ein Moet Imperial, bleibt natürlich nicht der einzige Kniefall vor den legendären Bluesrockern („I feel Good“!!!). Man muss nicht lange raten, was die Jungs bevorzugt privat hören. Möge sich daran reiben wer will, die Fanbase benannter Heroen hat die Homogenität der Alben auch nie großartig bekümmert, warum also diesen Silberling verschmähen, der auch noch mit einigen anderen Qualitäten auf große Seelenpirsch geht?
Ich für meinen Teil besiegle den Vertrag mit einem Handschlag und glaube dabei ein gutes Geschäft gemacht zu haben. Freunde oben genannter Hardrockgrößen können bei diesem teuflisch guten Rundling blind und ohne Reue zuschlagen. Man erwirbt hier sicher keine großartigen Innovationen, aber wer will schon mit einem R8 auf die Rennstrecke, wenn man stattdessen mit einem Shelby GT auf Hühnerjagd gehen kann?
8/10 Punkte
Hellgun: www.hellgun.de

Geschrieben von Matthes am 30.05.2014
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