ErzfeinT
Kein Ende im Licht

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Namentlich besteht der jüngst wieder offiziell als vierer aufwartende Haufen aus den beiden Gründungsmitgliedern Dustin (Drums) und Andre (Gesang/Gitarre), sowie Gitarrist Jan, der auch für die Backings zuständig ist. Komplettiert werden die drei Prügelknaben nun durch Final Depravitys Alex an den tiefen Tönen, die somit, seit dem quittierten Frontdienst des Namensvetters vor drei Jahren, der auch auf dem Album zu hören ist, wieder eine feste Besetzung haben.
Eingeläutet wird das zehn Songs umfassende Gewaltmanifest durch ein Intro, das in Struktur und Sound nicht nur entfernt an Metallica erinnert. Wer sich jetzt mokiert, das sei aber übertrieben: Reinhören, Schnauze halten, weiter machen…
…um direkt in den Genuss von 'Erzfeind' zu kommen. Auch hier fällt neben der obligatorischen Härte der hohe Melodiefaktor auf, der eigentlich eher für Bands der Bay Area typisch ist. Um herauszuhören, dass hier textlich mit einem alten Weggefährten abgerechnet wird, bedarf es zwar keines Literaturstudiums, aber muss es denn immer subtil zugehen? So geht der Ohrwurm schön auf auf die Zwölf und erbricht sich spottend auf den verhöhnten Brunnenvergifter.
Im zweiten Stück 'Dead Angels' klingen die Klampfen ein wenig verzerrter, leiten dabei in ein anfängliches Riff über, das beinahe orientalische Züge annimmt und münden schließlich in ein brachial fulminantes Gitarrensolo. Passagenweise erinnert hier FrontfeinT Andre sogar an Iced Earth Matt Barlow, allerdings mit mehr Reibeisen im Schreiorgan. Lediglich der Refrain ist Thrash Metal in R(h)ein- und Ruhrkultur. Verdammt Abwechslungsreich gestalteter Banger, der keine Wünsche offen lässt.
'Chainsaw' oder auch: Das ErzfeinT Kettensägen Massaker. Das älteste Stück der Scheibe mäht sich unaufhaltsam in die Gehörgänge der ahnungslosen Opfer. Schnell, hart und gnadenlos. Zu diesem Unterfangen wurde noch ein Profikiller engagiert und dies ist kein geringerer als Ex-Sodomist Andy Brings, der sich hier an der Sologitarre verewigt hat. Noch bemerkenswerter hingegen ist allerdings Dustins Leistung hinter der Schießbude.
Ungewöhnlich, weil anfänglich eher ruhig, aber keinesfalls zahnlos ist 'Sturm' ein sozialkritischer Wolf im Schafspelz. Mit deutschen Texten zu extremer Musik ist es nach Auffassung des Autors immer ein recht schmaler Grat zwischen prima und peinlich, den ErzfeinT aber erstaunlich lässig zu meistern wissen, was auch das nachfolgende 'Höllenfeuer' attestiert. Musikalisch grundsolide, sind die Nackenschmerzen nur noch reine Formsache.
Ein Thrasher vorm Herrn ist auch 'Sodomie', dessen derbe Lyrics besonders im Refrain zum mitgröhlen einladen. „…Ich zelebrier die Liebe zwischen Mensch und Tier…“. Live ein Kracher, partytauglich, schockierend aber auch nicht ganz ohne Hirn, zeigen ErzfeinT die Abgründe sexueller Perversionen und nehmen dabei kein Blatt vor dem Mund.
Wer Andre, Dustin und Jan kennt, der weiß, dass denen Egomanie so fremd ist, wie Herrn Kilmister alkoholfreies Bier. Interessanterweise wird das Thema im siebten Stück 'Me, Myself & I' fachmännisch verwurstet. Musikalisch marschiert man hier kompromisslos weiter nach vorne, brilliert mit ein paar gekonnten Tempowechseln und hält dabei problemlos das hohe Niveau der bisherigen Songs.
'Steh auf' fährt geschwindigkeitstechnisch eher eine mittlere als eine schnelle Schiene, ist lyrisch gehaltvoll und regt wie die meisten Texte der Band durchaus zum Nachdenken an. Natürlich kann man auch einfach nur die großartige Musik genießen.
Mit dem darauffolgenden 'Path of no Return' ist auch schon fast das Ende der Hassfahnenstange erreicht, etwaige Kreatorassoziationen mal außen vor gelassen. Der Einstieg ist verträumt melancholisch und klar, bevor sich zunehmend ein Spannungsbogen aufbaut der sich in einen Gewaltmarsch bratender Äxte entlädt. Interessant sind die eingebauten Sprechpassagen.
Rausschmeißer ist das Quasititelstück 'Das Licht', welches mit einer sehr zünftigen Spielzeit von sieben Minuten nochmal eindrucksvoll zeigt, wie Variantenreich das Quartett doch ist und dem Longplayer einen würdigen Schluss verleiht.
'Kein Ende im Licht' als einen gelungenen Einstand zu bezeichnen, wird der hochqualitativen Scheibe nicht einmal im Ansatz gerecht. Bereits jetzt steht schon fest, dass sich ErzfeinT auch vor gestandenen Szenegrößen nicht zu verstecken brauchen, denn diese Truppe hat alles was es braucht, um es noch weit zu bringen. Wo andere Bands durch ideenloses Geknüppel schnell zu langweilen beginnen, bestechen unsere Erzfeinde durch Ideenreichtum, markante Melodien und Tiefgang.
8/10 Punkte
ErzfeinT: www.erzfeint.com

Geschrieben von Matthes am 11.05.2013
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