Harasai
Tritt in die Fresse

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Eternalconcert: Hi Martin! Danke, dass du dir die Zeit nimmst, mit mir über deine Band zu reden. Stell dich und deine Truppe bitte einmal vor.
Martin: Hallo Christian! Uns gibt es seit April 2006. In den ersten Jahren veröffentlichten wir einige Demo CDs, die wir im Internet und auf lokalen Konzerten verbreiteten, bevor mit "The I-Conception" 2010 das Debüt Album erschien. Gründungsmitglieder sind die Gebrüder Becker an Gitarre und Schlagzeug, sowie ich am Gesang. Arne, unser Bassist und 2. Sänger, stieß Ende 2009 zur Band. In dieser Besetzung nahmen wir auch unser aktuelles Album "Psychotic Kingdom" auf, welches im April diesen Jahres seinen Weg in die Plattenregale fand.
Eternalconcert: Ihr macht Melo Death und euer neues Album hast du gerade erwähnt. Was erwartet den geneigten Hörer der Scheibe?
Martin: In erster Linie natürlich ein Tritt in die Fresse!
Eternalconcert: Okay, das hab ich mir fast gedacht. Wer ist denn bei euch für was verantwortlich? Wer schreibt die Songs, wer die Lyrics etc.?
Martin: Yannick schreibt als unser Lead-Gitarrist nahezu alle Songs, wobei sein älterer Bruder Nico an den Drums auch gelegentlich den ein oder anderen Song beisteuert wie bspw. den Videosong "Three Kings". Die Texte und Vocal Arrangements stammen aus meiner Feder.
Eternalconcert: Wenn ich mir die Scheibe so anhöre, dann hab ich den Eindruck, dass viele der Themen die du ansprichst, nicht gerade leicht zu erfassen sind. Worum geht es bei deinen Texten? Habt ihr auf der Scheibe ein textliches Konzept oder steht jeder Song für sich?
Martin: Ja, die Texte sind relativ vielschichtig und nicht immer auf den ersten Blick in ihrer Intention sofort greifbar, was auch so gewollt ist. Oftmals offenbart sich erst zwischen den Zeilen die Bedeutung, so dass der Hörer/Leser auch ein wenig "arbeiten" muss. Mir haben genau diese Platten immer am besten gefallen. Es muss halt ein Prozess des Verstehens stattfinden. Nur dann schließt man ein Album wirklich in sein Herz. Ein textliches Konzept gibt es tatsächlich. Auf "Psychotic Kingdom" bauen sich alle Texte eben um besagtes psychotisches Königreich auf. Dies ist der Ort in dem wir unseren grauen Alltag fristen und den Egozentrismus züchten, der im 21. Jahrhundert allgegenwärtig erscheint. Von Empathie, zwischenmenschlichem Verständnis und Liebe gibt es keine Spur. So frönen die Menschen Mammon und Materialismus ohne zu bemerken, welche Indoktrination dahinter steckt. Die Medien oder auch Ablenkungssoftware wie Facebook entfremden den Menschen von sich selbst, entzaubern die Welt, so dass wir zu hemmungslosen Konsumenten erzogen werden. Einige Songs sind ein Aufruf zur Rückkehr des Verstandes, andere wiederum ein Manifest der grauen Depression die uns umgibt. Und natürlich stecken eine ganze Menge persönlicher Erfahrungen und Tiefpunkte darin.
Harasai, Interviewpartner Martin 2. v.l.
Eternalconcert: Musikalisch geht ihr dabei sehr vielschichtig zu Werke. Erst knallt ihr dem Hörer ein Brett nach dem anderen um die Ohren und dann kommen ein paar Balladen. Aber kommen wir zu etwas anderem: Das Artwork gefällt mir sehr gut. Wer hat's gemacht?
Martin: Das Artwork stammt vom Münsteraner Design Studenten Sebastian Wagner, den ich 2011 über einen Bekannten kennengelernt habe. Das visuelle Antlitz der Scheibe entstand in einem zweijährigen work-in-progress Verfahren. Ich schickte ihm immer wieder die neusten Pre-Mixe und Texte zu, so dass er den Vibe des Albums gänzlich aufnehmen konnte. Ich könnte mir für dieses Album kein besseres Cover vorstellen.
Eternalconcert: Womit die Frage geklärt wäre, ob das Artwork einen Bezug zu den Inhalten des Albums hat, oder einfach nur gut aussehen sollte.. Ihr seid live ja recht umtriebig. Wer macht euer Booking? Wer hat die guten Connections?
Martin: Ich mache das seit jeher selbst. Für die professionellen Booker werfen wir leider noch nicht genug Kohle ab, als dass sich da jemand für uns engagieren würde.
Eternalconcert: Trotzdem habt ihr schon für ein paar bekanntere Bands eröffnet. Du selber hast auch Erfahrungen im Veranstalten. Wie würdest du die Chancen für Bands auf eurem Level im Moment einschätzen? Wo sind die Möglichkeiten, wo die Hindernisse?
Martin: Die Lage ist nach wie vor nicht sonderlich rosig. Da man mit seiner eigentlichen Kunst, nämlich der Musik in Form von echten Tonträgern, nichts mehr verdient sind die Bands, die sich professionalisieren wollen, dazu gezwungen so viel es geht live zu spielen. Dies hat zu einer absoluten Marktübersättigung geführt, da jetzt auch die etablierten Bands drei- bis viermal so häufig im Jahr auf Tour gehen müssen wie früher, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Dementsprechend gibt es wenig Luft nach oben für Newcomer. Aber wir jammern nicht. Es ist wie es ist und man muss das beste daraus machen. Wir nehmen immer noch alles an, was wir bekommen können. Denn am Ende des Tages gibt es kein schöneres Gefühl, als den Fans einen guten Abend bereitet zu haben.
Eternalconcert: Und was würdest du dir für die Band wünschen?
Martin: Möglichst viele bisher unbekannte Orte zu bereisen um dort auf sympatische Menschen zu treffen mit denen man gemeinsam und ehrlich laute Musik genießen kann. Ansonsten.. Dass wir noch möglichst lange zusammen musizieren und weiterhin konstant Musik veröffentlichen können.
Eternalconcert: Ist in der Hinsicht schon wieder was geplant? So lange ist die aktuelle Scheibe ja noch nicht raus.
Martin: Wir haben schon einige neue Sachen geschrieben. Allerdings ist noch völlig unklar in welche Richtung es letztlich geht. Es wird auf jeden Fall wieder anders. Nächsten Sommer möchten wir erstmal in ein niederländisches Analog Studio gehen um eine EP aufzunehmen. Ansonsten wird über eine Tour im Herbst gesprochen. Dazu kann ich aber noch nichts weiter sagen.
Eternalconcert: Cool, da bin ich gespannt. Am Samstag seid ihr erstmal in Essen auf dem Nord Open Air. Ich danke dir für das Gespräch. Möchtest du noch was loswerden?
Martin: Fetten Dank dafür, dass du dir die Zeit zu diesem Gespräch genommen hast. Ansonsten seien natürlich alle denen unser Material gefällt dazu eingeladen, uns live mal zu besuchen. Prost!
Harasai: www.harasai.com

Fragen von Hoschi am 25.07.2013
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